Von Volker Kläne
Vechta — Für einen Rücktritt gebe es wohl nie einen günstigen Zeitpunkt. „Aber ich merke, dass es der richtige Schritt ist", sagt Andreas Bröring. Der 46 Jahre alte Familienvater hat dem Pfarrgemeinderat der Vechtaer Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt mitgeteilt, dass er das Amt des Vorsitzenden und die Arbeit im Vorstand sofort niederlegt. Einen Nachfolger gibt es bisher nicht. Der 29-köpfige Pfarrgemeinderat, der noch bis 2013 gewählt ist, trifft sich am 10. und 11. Februar in Stapelfeld zu einer Klausurtagung. Dann soll die Personalie geklärt werden.
Bröring erklärte seinen Rücktritt mit persönlichen Gründen und zunehmender beruflicher Verpflichtung. Er ist Geschäftsführer des Kolpingwerks Land Oldenburg im Offizialat in Vechta. In der gegenwärtigen nicht leichten Situation der Pfarrgemeinde werde ein Vorsitzender benötigt, der mit mehr zeitlichem Einsatz die Entwicklung positiv begleiten könne. „Ich habe die Zeit nicht", sagt Bröring. Der Schritt sei ihm schwer gefallen, er habe sich auch im Sinne der Familie so entschieden. Seine Söhne Aaron (9) und Linus (13) sowie seine Frau Cornelia seien zuletzt zu kurz gekommen. Er gehe nicht im Streit, versicherte Bröring, und wolle im Pfarrgemeinderat weiterarbeiten — nur eben nicht im Vorstand.
2007 wurde er Vorsitzender des Gremiums in der neuen Stadtpfarrei St. Mariä Himmelfahrt, seit 2005 hatte er im Pfarrgemeinderat St. Georg mitgewirkt. Unruhige Zeiten: Zunächst der Weggang , von Propst Günther Weigand, dann die Fusion der drei Altgemeinden St. Georg, Maria Frieden und St. Marien Oythe, der Aufbruch mit Propst Kurt Schulte, der erneute Wechsel auf der Propststelle hin zu Michael Matschke. Dazu der Verlust zweier Identifikationsfiguren: Zunächst Kaplan Timo Holtmann, vor kurzem dessen Nachfolger Jan Kröger. Die Kaplanstelle bleibt überdies vorerst unbesetzt.Wir hatten nie Ruhe. Die Arbeit wurde durch die Umbrüche erschwert", sagt Bröring. Für die Zukunft wünscht er sich, dass die drei Altgemeinden noch besser zusammenwachsen. Grundlagen dafür seien gelegt, zum Beispiel mit den gemeinsamen Pfarrfesten und den Vorbereitungen auf Kommunion und Firmung.
Hoffnungen setzt Bröring auch in den regionalen Kirchentag am 8. September 2012. Man müsse sich sowohl um diejenigen kümmern, die sich in der Kirche zu Hause fühlen, als auch Menschen ansprechen, die man vorher nicht erreicht habe.Vorstandsmitglied Dirk Rilling spricht von einer schwierigen Situation. „Wir verlieren Andreas nicht ganz, aber als engagierten und kompetenten Vorsitzenden." Seine Aufgaben würden zunächst von den anderen Vorstandsmitgliedern übernommen — neben Rilling sind dies Propst Matschke, Schwester Josefa und Elisabeth Spille. Als unglücklich seitens des Offizialats bezeichnete es Rilling, dass kein neuer Kaplan bereit stehe. Aktuell gebe es keinen, der sich um die Jugendarbeit kümmert. Man habe zu wenig Personal für eine 14000-Seelen-Gemeinde.
Propst Matschke kann das Unverständnis bei Ehrenamtlichen für die Personalpolitik nachvollziehen —gerade in einer schwierigen Lage für die Kirche in Deutschland und in Zeiten des Zusammenwachsens in Vechta. Den Zeitpunkt von Brörings Rücktritt nannte Matschke unglücklich. Er wisse aber, dass es sich Bröring nicht leicht gemacht habe. „Er hat sein Amt mit viel Sachverstand geführt. Seine Entscheidung muss man akzeptieren." Nun müsse man jemanden finden, der das Amt zwei Jahre bis zur nächsten Wahl fortführe.
Quelle: OV 23.12.2011
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