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Goldenes Priesterjubilaeum

Ein Zeuge des Konzils
Professor Janssen feiert sein Goldenes Priesterjubiläum


Von Volker Kläne

Vechta - Wir brauchen missionarische Kirche, die auf Sen­dung geht", sagt Professor Dr. Friedrich Janssen. Wenige Tage vor seinem Goldenen Priesterju­biläum sieht er die dringende Notwendigkeit eines kirchlichen Fernsehens in Deutschland. TV-Highlights wie der Papstbesuch verpufften schnell. „Die kirchli­che Verkündigung muss syste­matischer und aktualisierter er­folgen. Wir müssen die Sprache der Jugend kennen und sie an­sprechen. Für sie sind wir doch die vom anderen Stern", findet Janssen. Ernste Worte. Janssen macht sich Sorgen.

Ihm war es immer wichtig neben seiner Arbeit als Professor an den Universitäten in Vechta und Osnabrück auch als Priester in Pfarrgemeinden zu wirken. Als Aushilfe war er lange der Propsteigemeinde verbunden, wirkt jetzt in Mariä Himmel­fahrt. „Theologie darf nie eine rein akademische abstrakte Wis­senschaft sein. Theologie ist das Reden von Gott. Es geht um die Verkündigung", betont Janssen. „Da fällt mir ein Zitat von Jo­hannes Paul II. ein: Das Evange­lium darf nicht in einem Muse­um ausgestellt werden, sondern muss den Menschen mitgeteilt werden." Dabei müsse man die Kulturen und Denkweisen der Menschen in den unterschiedli­chen Teilen der Welt berücksichti­gen. Dieser Impuls sei schon vom II. Vatikanischen Kon­zil (1962 bis 1965) ausgegangen. Friedrich Janssen war Zeuge des Konzils. Während seines Theo­logie- und Philosophie-Studi­ums an der Päpstlichen Univer­sität Gregoriana und am Germa­nicum in Rom verteilte er mit Kommilitonen zeitweise Stimm­zettel bei den Konzilssitzungen im Petersdom. Unvergessen ist für ihn eine Auseinandersetzung des Kardinals Alfredo Ottaviani und des Kölner Erzbischofs Kar­dinal Josef Frings. „Im aalglatten Cicero-Latein haben sie sich über das Wesen der Kirche duel­liert", erzählt Janssen. Latein war auch an der Uni in Rom die Lehrsprache. Sogar die Relativi­tätstheorie von Einstein sei ins Lateinische übersetzt worden.

1961 wurde Janssen in der Kirche St. Ignazio in Rom zum Priester geweiht. 1965 kehrte der gebürtige Niederrheiner (Ge­burtsort Kevelaer) nach Deutsch­land zurück, war als Kaplan in Waltrop tätig, arbeitete als Reli­gionslehrer, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent im Ruhrgebiet. 1972 wurde er an der Katholischen Fach­hochschule in Vech­ta und Osnabrück zum Hochschul­professor ernannt. Er folgte dem Rufdes damaligen Of­fizials und späteren Weihbi­schofs Max Georg Freiherr von Twickel. Von 1976 bis 2001 war Janssen Uni-Professor in Vechta und Osnabrück. Schwerpunkt: Fundamentaltheologie. „Dabei geht es um das Verhältnis von Glaube und Vernunft, um eine rationale Begründung des Glau­bens mit philosophisch-theologi­schen Argumenten", erklärt Janssen. 1998 wurde er zum Päpstli­chen Ehrenprälaten ernannt. Dass es ihn einmal nach Vechta verschlagen würde, hätte er als junger Mann nicht gedacht. Aber die „kollegiale und humorvolle Mentalität der Mit­brüder aus dem Oldenburger Land" war ihm schon zum Be­ginn seines Studiums 1955 in Münster aufgefallen. Den Schritt nach Vechta hat er nie bereut. „Hier habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht — als Gastarbeiter im hohen Norden", sagt der 76-Jährige vor seinem Goldenen Priesterjubiläum.

Quelle: OV 29.09.2011

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